Ein neues Kapitel der künstlerischen Raumwahrnehmung
Künstler- und Stipendiatenhaus wird kreatives Zuhause für Heekeun Kim.
Mirko Rathke, Vorsitzender des Fördervereins des Künstler- und Stipendiatenhauses, begrüßte in Begleitung von Vertretern des Altmarkkreises Salzwedel und der Hansestadt Salzwedel die erste Stipendiatin des Jahres: Heekeun Kim.
Erst vor einer Woche ist die Südkoreanerin in das Stipendiatenhaus gezogen, doch erste Eindrücke von ihrer neuen Umgebung konnte sie schon bei einer Stadtführung mit Ines Kahrens sammeln. „Die Architektur der Stadt gefällt mir sehr, besonders die Fachwerkhäuser mit ihrer Struktur bieten eine wunderbare Grundlage für meine Kunst.“, so Heekeun Kim. Ihre künstlerische Praxis ist tief in der Auseinandersetzung mit Architektur und temporären Räumen verwurzelt. Besonders der Rathausturm und der Bürgermeisterhof sind ihr nach den ersten Erkundungen in der Hansestadt im Gedächtnis geblieben.
Im Rahmen ihres Stipendiums möchte sie räumliche Interventionen entwickeln, welche die Wechselbeziehung zwischen Körper und Architektur erforschen. Ihr Fokus liegt auf den oft übersehenen „Zwischenräumen“ – jenen subtilen Orten, die in unserer Wahrnehmung meist nicht im Mittelpunkt stehen, jedoch ein enormes kreatives Potenzial besitzen. In einer ihrer früheren Arbeiten hatten sie beispielsweise eine Wand auf dem Boden eins zu eins gespiegelt, so dass die bestehende vertikale Struktur in eine horizontale umgewandelt wurde. Durch diese Veränderung entstand eine neue räumliche Dynamik, welche die Wahrnehmung des Raumes und die Bewegungsmöglichkeiten neu definierte.
Für die nächsten drei Monate wird das Künstler- und Stipendiatenhaus ihr kreatives Zuhause sein, wo sie nach Inspiration sucht und Ideen für ihre Installationen entwickelt. Heekeun Kim betonte: „Ich möchte mich auf ein architektonisches Detail eines Raumes der Stadt spezialisieren und durch Veränderungen am Objekt neue Perspektiven schaffen.“ Dabei will sie nicht nur Kunst zum Ansehen erschaffen, sondern dreidimensionale Werke zum Anfassen und Erleben. Sie plant, durch Einbauten oder reduzierte Modelle interessante Innenräume neu zu gestalten und den Dialog zwischen Kunst und Publikum zu fördern. Dabei ist offen, welche Materialien Sie für ihre Kunst verwenden wird.
Mehr zu Heekeun Kim
Heekeun Kim wurde 1979 in Seoul geboren, wo sie von 1999-2001 Fotografie am Seoul Institute of Arts studierte. 2012 nahm Sie ein Diplomstudium bei Prof. Björn Dahlem und Prof. Thomas Virnich an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig auf, welches sie 2017 abschloss. 2018 erlangte sie den Meisterschülertitel bei Prof. Thomas Virnich.
Kims Schaffen wurde durch verschiedene Stipendien gefördert. Im Jahr 2024 erhielt sie sowohl das Arbeitsstipendium der Künstlerhäuser Worpswede als auch ein Jahresstipendium des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Diese Auszeichnungen folgen auf ein bemerkenswertes Jahr 2023, in dem sie das NEUSTARTplus-Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn erhielt.
Ihre künstlerische Praxis wird zudem durch internationale Ausstellungen gefördert. Zu den bemerkenswerten Ereignissen zählen ihre Teilnahme an der The Wrong Biennale 2023/2024 in Alicante, Spanien, sowie an verschiedenen Ausstellungen in Deutschland, darunter „Entäusserungen“ in der Städtischen Galerie Braunschweig (2022) und „Whence comes this rush of wings?“ im Künstlerstätte Stuhr Heiligenrode (2019). @_AMK
20.12.2025
Künstlercafe`am 18. Dezember mit Johannes Weilandt
Die Kreisvolkshochschule des Altmarkkreises Salzwedel und der Verein zur Förderung des Künstler- und Stipendiatenhauses hatten am 18. Dezember 2025 zum Künstlercafe` eingeladen. Bei Kaffee, Tee und kleinen Leckereien hat der aktuelle Stipendiat Johannes Weilandt interessierten Gästen Einblicke in seine Kunst und sein Leben gegeben.
Johannes Weilandt lebt und arbeitet in Berlin und Halle Saale. Er studierte Freie Kunst / Bühnen- und Kostümbild an der Weißensee Kunsthochschule Berlin und der Universität der Freien Künste Belgrad. Seinen seriellen Zeichnungen gehen zumeist intensive Recherchen in medizinhistorischen Sammlungen und Archiven voraus. Von zentraler Bedeutung ist für ihn dabei die kritische Auseinandersetzung mit der Institutionalisierung des menschlichen Körpers und damit verbundenen repräsentationsethischen Fragestellungen.
Während seines Stipendienaufenthaltes im Künstler- und Stipendiatenhaus in Salzwedel setzte sich der bildende Künstler Johannes Weilandt ausgehend von seinen zeichnerischen Studien eines Schädelpräparats aus den Meckelschen Sammlungen des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der MLU Halle-Wittenberg mit der sogenannten „Gallschen Schädellehre“ auseinander. Benannt nach dem deutschen Arzt Franz Josef Gall (1758-1828) behauptete diese, anhand rein äußerlicher Merkmale die Veranlagung und den Charakter eines Menschen bestimmen zu können.
Für das Künstlercafé hat Weilandt einen Einblick in den Prozess seiner kritischen, künstlerischen Auseinandersetzung mit den verheerenden Folgen dieser inzwischen wissenschaftlich widerlegten Lehre anschaulich präsentiert und erläutert. Am Beispiel früherer und aktueller Arbeiten spraicht er dabei auch über die Methode und Bedeutung der künstlerischen Recherche für seine zeichnerische Praxis. @_AMK

Einige interessierte Gäste sind der Einladung zum Künstlercafe gefolgt
17.11.2025
2. Advent im Künstler- und Stipendiatenhaus 2025
Sonntag 07.12. von 14 – 18 Uhr
› Ausstellungen „Illustrationen“ – Artist Mirko Rathke
› Zeichnungen „vermessen“ – Stipendiat Johannes Weilandt
› „Filmsequenzen“ – Künstler-Cafe
*14 Uhr:* Gitarrenduo „Norbert Leitel & Jörg Rahmsdorf“
*16 Uhr:* Chor „Soundqueens“
bei Schmalz- und Quittenstulle, Lebkuchen sowie Glühwein
Künstler- und Stipendiatenhaus | Kleine Prediger Str. 1 | Salzwedel
22.10.2025
Kreativer Dialog zwischen Kunst und Medizingeschichte
Faszinierende Zeichnungen mit Ausschnitten eines menschlichen Schädels umgaben den Bildenden Künstler Johannes Weilandt im Atelier des Künstler- und Stipendiatenhauses, als er sein Vorhaben für den Stipendienaufenthaltes erläuterte.
Im Rahmen dieses dreimonatigen Stipendiums, welches Johannes Weilandt am 01. Oktober angetreten hat, möchte er sich tiefgreifend mit der medizinhistorischen Repräsentation des menschlichen Körpers auseinandersetzen.
Weilandts künstlerische Praxis basiert auf der Frage, auf welche Weise sich Institutionen in unsere Körper einschreiben, sie darstellen, prägen und zum Verschwinden bringen. Im Zentrum seines Interesses steht auch das Erleben medizinischer Einrichtungen aus der Perspektive von Patienten, ein Themenfeld, das zunehmend auch von der medizinhistorischen Forschung beleuchtet wird. Das Ausgangsmaterial, aus dem er seine Zeichnungen konzipiert und dann im offenen Prozess entwickelt, sind vorwiegend visuelle Artefakten, zum Beispiel Fotografien, Handzeichnungen, schematischen Grafiken oder Animationen, die er in medizinischen Sammlungen und Archiven vorfindet.
Während seines Aufenthaltes im Künstler- und Stipendiatenhaus wird Weilandt speziell auf ein anatomisches Exponat aus den Meckelschen Sammlungen in Halle (Saale) eingehen: den „Gallschen Schädel“. Dieser feingliedrig beschriftete menschliche Schädel zeigt 27 nummerierte Zonen, die mit Charaktereigenschaften bzw. Fähigkeiten, wie zum Beispiel Raufsinn, Mordlust, Scharfsinn, Ruhmsucht oder Bedächtigkeit gekennzeichnet sind. Im frühen 19. Jahrhundert wurde angenommen, dass verschiedene Bereiche des Gehirns für unterschiedliche Eigenschaften und Fähigkeiten verantwortlich sind und dass diese durch die äußere Form des Schädels sichtbar seien. Oder anders ausgedrückt, dass die Form des Schädels Rückschlüsse auf die Persönlichkeit und die geistigen Fähigkeiten eines Menschen zulässt. Trotz der wissenschaftlichen Widerlegung dieser Theorie, hatte sie weitreichende Auswirkungen auf die Polizeiarbeit und Psychiatrie des 19. Jahrhunderts sowie auf die Medizin während des Nationalsozialismus.
Inspiriert von seiner künstlerischen Recherche wird Johannes Weilandt die historische Bedeutung des „Gall-schen Schädels“ zeichnerisch erforschen und dabei auf Skizzen und Notizen zurückgreifen, die er während seiner Zeit in Halle angefertigt hat. Der Entstehungsprozess wird von der Wahl des Formats bis hin zu den zeichnerischen Mitteln einer kontinuierlichen Reflexion unterzogen. Zudem wird Weilandt die Entwicklung seines künstlerischen Prozesses in einem eigens gestalteten Arbeitsjournal dokumentieren, welches ihn auf seinem Weg begleiten wird.
Die Ergebnisse von Weilandts Projekt werden am Ende seines Aufenthalts zum Künstlercafé am 18.12.2025 präsentiert. Sie dürfen gespannt sein auf eine eindringliche künstlerische Auseinandersetzung, die nicht nur den Blick auf die Vergangenheit schärft, sondern auch aktuelle Fragen zu Identität und Zuschreibung im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft aufwirft.
Mehr zu Johannes Weilandt
Johannes Weilandt, 1991 geboren und in Halle (Saale) aufgewachsen, lebt und arbeitet als Bildender Künstler in Berlin und Halle Saale. Er ist Mitglied im BBK-Berlin, im VGBildkunst und in der Internationalen Heiner Müller-Gesellschaft. Von 2011 bis 2017 studierte er Bildende Kunst | Bühnen- und Kostümbild an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Zudem studierte er 2015 während eines Gastsemesters Zeichnung | Malerei in der Klasse von Prof. Mark Lammert an der UdK Berlin und 2016 Zeichnung | Malerei | Transmedia an der Universität der Künste Belgrad. 2022 erlangte er den Meisterschülertitel bei Prof. Else Gabriel und Prof. Peter Schubert an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. 2023 kooperierte Weilandt im Rahmen seines Residenzstipendiums im Künstlerhaus Lauenburg mit dem Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE Hamburg. 2024 Jahr recherchierte er in den Meckelschen Sammlungen des Instituts für Anatomie und Zellbiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für seine Arbeiten erhielt er mehrere Stipendien, u.a. von der Stiftung Kunstfonds. Zudem ist er mit seinen Zeichnungen in verschiedenen Ausstellungen, Veröffentlichungen und Sammlungen vertreten, darunter gemeinsam mit Elske Rosenfeld beim Festival „wohn_komplex, Festival zu 60 Jahre Halle Neustadt“ im Jahr 2024, das durch die Kunststiftung Sachsen-Anhalt gefördert wird.
Mehr zu Johannes Weilandt und seinen Werken finden Sie hier: https://www.johannesweilandt.de/
@_AMK
21.09.2025
Sound & Vision – Ein Abend der Klangkunst
Die Kreisvolkshochschule des Altmarkkreises Salzwedel hat am 18. September 2025 zum Künstlercafé ins Künstler- und Stipendiatenhaus eingeladen. Zu Gast war der Komponist CHEN Chengwen, der akzuelle Stipendiat.
Seinen Aufenthalt in Salzwedel nutzte CHEN Chengwen unter anderem, um sich musikalisch mit der Orgel zu St. Marien auseinanderzusetzen, die gut vom Künstler- und Stipendiatenhaus aus zu hören ist. Doch nicht nur dort fand er Inspiration. Die klangliche Vielfalt der Stadt regte ihn zu künstlerischen Transformationen an, die die Atmosphäre und Geschichte Salzwedels hörbar machen.
Haben Sie schon einmal bewusst auf die Geräusche in Ihrer Umgebung geachtet? Selbst in einem geschlossenen Raum kann das Ticken der Uhr oder der Straßenlärm vor dem Fenster wahrgenommen werden. CHEN Chengwen nimmt sich dieser oft überhörten oder zum Alltag gehörenden Klänge an: Seit Juli arbeitet er im Künstler- und Stipendiatenhaus und erforscht das Konzept des „Soundscape“ – das akustische Erleben verschiedenster Räume. Sein Ziel ist es, Musikalität in den alltäglichen Geräuschen der Hansestadt Salzwedel zu entdecken und diese in neue, zeitgenössische Kompositionen zu verwandeln. @_AMK
Diese Umsetzung hat er den zahlreich erschienenen Gästen während des Künstlercafés nicht nur akustisch sondern auch visuell auf einer Leinwand präsentiert.

CHEN Chenwen spielt am Kalivier seine Komposition_@_Bild Verein


